Andreas Friedrich

Der Höhenbergsteiger
Alles fing an mit einem beherzten “Komm, versuch mal, da hoch zu kommen” meines Vaters, der mich anspornte, einen dieser für mich als kleinen Junge riesigen Felsbrocken zu erklimmen, die auf Wiesen lagen in unserem Urlaubsort Oberstdorf. Mein Vater liebte das Meer, aber die Berge doch noch ein bisschen mehr. Diese Liebe hat er mir mitgegeben auf meinen Weg. Ich erinnere mich, wie groß die Aufgabe für mich war, die er mir so nonchalant stellte. Meine kindliche Neugier und mein Tatendrang haben mich auf diese ersten “Gipfel” hochgetrieben. Nachgedacht habe ich erst, als ich oben stand. Denn das Runterkommen gestaltete sich doch erheblich schwieriger, vor allem, als ich anfing etwas nachzudenken, wie das gehen könnte. Etliche Blessuren, Schrammen und Tränen später hatte ich dann auch die Erfahrung, wie ich nicht nur heil hoch, sondern auch behende absteigen kann.

Diese ersten Erfahrungen waren der Grundstein dafür, mich höher zu wagen. Wagen und Mut – im wahrsten Sinne. Wagemut. Ich kannte nur ein Ziel: dem Himmel immer ein Stückchen näher kommen. Hoch hinaus und sicher wieder runter. Stolz war ich auf die erste 2 in der Höhenangabe eines Berges, dann kamen zwangsläufig die 3 und 4 und danach erlag ich dem Zauber und Reiz Nepals.
Überall und unabhängig von einer bestimmten Höhe spürte ich immer ein Gefühl, das sehr wichtig werden sollte für meinen weiteren Weg. Respekt vor dem, was mich umgab. Die Natur schenkte mir Respekt und Demut, was ich heute als meine Grundvorraussetzung empfinde, an hohen Bergen zu überleben. Demut und Respekt helfen mir, mich einzuordnen in den Kontext. Helfen mir, den Mut aufzubringen, meine eigene Bedeutungslosigkeit inmitten dieser Riesen auszuhalten, Mut zu haben zu erkennen, hier nichts ausrichten zu können. Mich hinzugeben und loszulassen.

Nepal wurde zu meiner Bestimmung. Sofort war ich mit dem Land verdrahtet. Die Menschen rissen mich in ihren Bann ebenso wie die übermächtige Natur, die ihren täglichen, harten Überlebenskampf bestimmt. Was es bedeutet, fast nichts zu besitzen und trotzdem dies mit mir zu teilen berührt mich noch heute zutiefst.

Viele Freundschaften mit Sherpas haben sich auf Expeditionen gebildet und halten bis heute. Eine davon ist für mich sehr wichtig. Pema Chossang Sherpa, der mir 2009 das Leben rettete. Seitdem ist der 17. November mein zweiter Geburtstag. Zurückzukommen ins Leben war eine sehr spezielle Reise.

Auf dem Gipfel des Manaslu, sechsthöchster Berg der Welt, fühlte ich mich 2012 stolz und glücklich. Wie der kleine Junge, der vom ersten Felsen in Oberstdorf zu seinem Vater runterschaute, nur etwas höher stehend jetzt und ohne Vater, der 1975 verstarb. Ich habe ihn vermisst dort oben, denn ich spürte heftigst, daß ohne seine Passion und Antrieb ich hier oben niemals hingekommen wäre. Ich glaube, er hat gesehen, wie hoch ich stand: 8156 Meter.

Vom Manaslu konnte ich Sagarmatha sehen. So nennen die Nepalesen Everest. Chomolungma, Mother Goddess of All. Auch die Tibeter verehren Everest. Ich sah seine massige, abschreckende Eiswolke, die er wild fauchend in die Atmosphäre schleuderte mit einem warnenden “Komm mir nicht zu nahe”.
Das Abweisende war exakt der Reiz, den ich spürte und der mich unweigerlich zu ihm hinzog. Spätestens ab da war Everest ein definitiver Teil meines Lebens. Die Beziehung, die ich mit ihm eingegangen bin, begann auf dem Gipfel des Manaslu. Everest wurde immer mehr zu einer Art Lebewesen für mich. Kein Tag ohne Gedanken an ihn. Er war in mir verankert.

Am 13. Mai 2016 stand ich auf dem Gipfel des Everest. In seiner Eiswolke. Während des gesamten Aufstieges fauchte er mich an und ich zeigte ihm, wie wichtig es mir ist, ihm so nah wie möglich zu kommen. Auf seinen Gipfel. Ich hatte ihn alleine für mich mit Son Dorje Sherpa, der mit mir geklettert ist. Was für ein Geschenk.

Demütig und sehr dankbar waren wir für 24 Minuten die am höchsten stehenden Menschen der Welt.

2019 werde ich mich Everest von Norden nähern und erneut versuchen, auf seinem Gipfel zu stehen. Irrational und unverantwortlich? Unsere Beziehung lebt weiter in mir. Ich muß es wieder tun. Meine Gefühle zu negieren würde bedeuten, Everest aus meinem Leben zu verbannen. Das kann und will ich nicht.

Der Flugkapitän
Vor 29 Jahren fing auch diese Geschichte ähnlich an wie die in Oberstdorf. Mein Ziel war, dem Himmel immer näher zu kommen. Diesmal aber mit der geballten Kraft von Rolls Royce und Pratt and Whitney Jet Triebwerken. Wichtige Helfer, um sicher mit Flugzeugen in die Luft zu kommen und zu landen. Der Weg war ähnlich anstrengend wie am Everest, mein Antrieb, Wagemut and Willen immens. Ich wollte mein Ziel erreichen. Nur mir beweisen, daß ich es schaffe. Widerstände, auch aus der eigenen Familie, hielten mich nicht auf. Ich erkannte schnell, was ihr wahres Potential war. Meine Weiterentwicklung.

Als Flugkapitän muß ich mich alle sechs Monate Prüfungen stellen. Hier prüft mich nicht der Berg, sondern der Simulator. Beide, Berg und Simulator zeigen mir mehr über mich, als ich je erahnte. Viele Dinge, die ich als Flugkapitän gelernt habe, wende ich an bei Expeditionen: Klaren Kopf behalten, Risiko- und Selbstmanagement, Entscheidungsfindung, Resilienz. Um heil wieder runterzukommen. Am Berg und in der Luft.

Ich lebe meine Passionen. Berge und mein Beruf ergänzen sich perfekt. Ich bin sehr glücklich und dankbar, dieses Leben genau so leben zu dürfen.

Der Motivational/Special Speaker
Meine Erfahrungen möchte ich teilen. Mit Ihnen. Warum sollte ich alles für mich behalten wollen? Ich möchte Sie mitreißen, inspirieren, unterhalten, motivieren, nachdenklich machen, aufwühlen. Lassen Sie uns zusammen reisen. Vielleicht auf den Gipfel des Everest? Ohne jede Risiko. Und eigentlich ganz bequem. Sie müssen mir nur zuhören. Und einhängen in das virtuelle Fixseil, das ich für Sie verlegt habe. Und am Ende der Vorträge verschlägt es Ihnen die Sprache.
Lassen Sie alles sacken. Und kommen Sie höher und weiter als Sie je zuvor dachten.

What is YOUR Everest?

MountainProjects
Dem Tod ins Auge zu blicken ist kein Vergnügen. Der 17. November 2009 war mein Schicksalstag. Psychotische Stille. Nach einem Lawinenabgang, der mich begrub. Lebend rein und wieder lebend raus. Was ist die maximale Steigerung von Glück? Wieviel Tonnen habe ich an diesem Tag davon gehabt? Mehr geht wirklich nicht.
Das Einzige, was ich verstanden habe war, daß ohne die Umsichtigkeit und Professionalität, ohne das kluge Krisenmanagement unserer Sherpas, ohne ihr Wissen ich mausetot wäre. Um mehr zu verstehen, auch das Volumen meines Glückes zu begreifen, brauchte ich professionelle Hilfe. Posttraumatische Belastungsstörung, die mir den Schweiß auf die Stirn brannte wenn ich nur an Berge dachte. Klettern war zu dieser Zeit unmöglich.

Mit dieser sehr guten Hilfe gelang es mir, die Lawine in meinem Kopf loszuwerden. Splitter zusammensetzen, um zu begreifen. Aber auch dieses hartnäckige Gefühl in mir. Zurückzugeben, was ich selbst geschenkt bekommen habe: ein zweites Leben. Eine Perspektive.

Das war die Geburtsstunde von MountainProjects, meiner NGO. Der eingetragene, gemeinnützige Verein baut Schulen in entlegenen Regionen Nepals. Für Kindern, die keine Chance auf Bildung haben, weil es keine Schule für sie gibt, eine Perspektive schenken für ein besseres Leben. Sie in die Lage versetzen, selbst einmal später zurückgeben zu können, was sie genossen haben. Cycle of Life.

Bildung schenken . Leben verändern

Das ist das Ziel von MountainProjects. Ich brenne dafür. Mit Passion, Wagemut und Willenskraft. Für die Kinder.